Pflanzen

Praktisch jeder Kulturkreis nutzte und nutzt spezifische Pflanzen, um die Geburtenrate zu steuern. Die Verwendung einiger volkstümlichen Kontrazeptiva und Abortiva stellt das Resultat des Experimentierens und des Beobachtens sowie praktischer Erfahrungen vieler Jahre dar, die wohl meistens durch Frauen gemacht wurden, die die Pflanzen gegen verschiedene Krankheiten einnahmen.

Dabei geht es um oral anzuwendende pflanzliche Drogen (Kräuter, Früchte, Samen, Wurzeln und Rinden). Doch oftmals lassen sich diese Pflanzen, denen in frühneuzeitlichen Hebammen- und Kräuterbüchern empfängnisverhütende Eigenschaften zugesprochen wurden, nicht eindeutig identifizieren. Mangelhaftes anatomisch-physiologisches Wissen und falsch gedeutete Wirkungen haben häufig dazu geführt, dass unwirksame - oder im Gegenteil - stark giftige Mittel eingesetzt wurden.

Besonders in den 1970er und 1980er Jahren wurden mit finanzieller Unterstützung durch die WHO Laboruntersuchungen hinsichtlich pflanzlicher Kontrazeptiva durchgeführt, ferner erschien eine Vielzahl an Literatur über die Effektivität von Pflanzenextrakten als fruchtbarkeits-regulierende Mittel. Wegen der fraglichen Übertragbarkeit der Ergebnisse dieser spezifischen Indikation (Steuerung der Fruchtbarkeit) aus den tierexperimentellen Studien auf den Menschen kam es jedoch bis heute so gut wie nicht zur Entwicklung moderner Medikamente aus pflanzlichen Wirkstoffen.


Nach Angelika Zinner in: Vom Nimbaum bis zur Pille – Zur kultur- geschichtlichen Vielfalt der Verhütungsmethoden, hrsgg. von Helga Dietrich und Birgitt Hellmann, Jena 2006